Doping-Blog

Über Sport und seine Nebenwirkungen

Schmerzmittel werden zum täglichen Lebensinhalt von Sportlern

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Als Jermaine Jones noch bei Eintracht Frankfurt spielte, plagten den Mittelfeldspieler vor knapp drei Jahren starke Schmerzen. Ein Haarriss im rechen Schienbein, es folgten Entzündungen. Der heutige Schalker tat das, was von vielen Trainern, Fans und Medien heroisiert wird: Er ignorierte die Warnsignale seines Körpers und schleppte sich durch die Saison. Später erklärte er sein Durchhaltevermögen. Monatelang habe er Schmerztabletten genommen, „vor jedem Training eine und an den Spieltagen zwei. Manchmal auch mehr.“

Der Bremer Stürmer Ivan Klasnic beschuldigt die Ärzte seines Vereins, jahrelang seine schlechten Nierenwerte nicht erkannt zu haben und hat Klage eingereicht. Dauerhaft war ihm der Wirkstoff Diclofenac verabreicht worden, was die Niere weiter schädigte, bis schließlich eine Transplantation unausweichlich war. Dieser Fall wirft das Licht auf einen Prozess im Spitzensport, der selten thematisiert wird und offenbar doch allgegenwärtig ist. „Es scheint, als gehören Schmerzmittel zum täglichen Lebensinhalt von Sportlern“, erklärte Professor Mario Thevis vom Zentrum für präventive Dopingforschung gestern. Hans Geyer, Geschäftsführer des Zentrums, nennt dies „einen Wahnsinn“.

Selten sprechen Sportler so offen wie Jones über den Gebrauch der Medikamente, die auf keiner Doping-Liste stehen. Dennoch warnen Experten vor dem übermäßigen Einsatz: „Die schlucken Voltaren und Aspirin in ungeheuren Mengen. Das macht uns Sorge“, sagte Toni Graf-Baumann. Der Vorsitzende der Doping-Kommission des Fußball-Weltverbandes FIFA hat vor rund zwei Jahren Dopingkontrollbögen von Profi-Fußballern untersucht und festgestellt, dass fast alle Sportler regelmäßig verschreibungspflichtige Mittel nehmen. „Ich habe mich wahnsinnig erschrocken – und die FIFA auch“, so Graf-Baumann.

Der Mediziner warnt vor den möglichen fatalen Folgen bei dauerhaftem Konsum – dann können Schmerzmittel die Ursache von Herzproblemen, Magen- und Darmblutungen oder Nierenversagen sein. Außerdem werde das Schmerzempfinden des Körpers unterdrückt.

Die FIFA versuchte deshalb die Einnahme von Schmerzmitteln bei Spielern vor einiger Zeit wissenschaftlich zu untersuchen. Mehrere europäische Ligen nahmen teil, deutsche Klubs waren nicht interessiert.

(Dieser Artikel erschien am 29. April 2008 in der gedruckten Ausgabe der Westfalenpost.)

Geschrieben von florianluetticke

August 16, 2008 um 7:41

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