Archiv für August 2008
Zahlen des Zweifels
25 Weltrekorde, Michael Phelps holt achtmal Gold. Fabel-Spiele im Wasser-Würfel.
Schwimmanzüge von der NASA entwickelt, ein tieferes Becken, sauerstoffreichere Lust im Becken, Delphin-Kicks. Es gibt zahlreiche mögliche Erklärungen, doch die abstrusen Zahlen lassen zumindest gewisse Zweifel nicht vollkommen haltlos im Raum stehen.
Eine kleine Übersicht über alle neuen Weltrekorde bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking. Dabei sind alle Schwimmer berücksichtigt, die unter der alten Bestmarke blieben.
Ist das ‘ne Show
Scherz des Abends: Das Zweite Deutsche Fernsehen lässt Carl Lewis den 100-Meter-Jogging-Weltrekord von Usain Bolt einordnen. Dabei geht’s auch um Doping. Irgendwie.
Johannes B. Kerner: Wie groß ist das Fragezeichen, dass wir hinter dieses Rennen machen müssen?
„Es wäre naiv zu glauben, dass wir das Problem Doping eliminieren können.“
Interview mit dem Dopingforscher Professor Dr. Mario Thevis, der bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 Dopingkontrollen analysiert.
Frage: IOC-Präsident Jacques Rogge geht von 30 bis 40 Dopingfällen bei diesen Olympischen Spielen aus. Ist dies eine realistische Einschätzung?
Mario Thevis: Ich rechne mit deutlich weniger positiven Tests. Ich nehme an, dass die Thematisierung des Problems im Vorfeld die Nationen, Sportler und Zuschauer so sensibilisiert hat, dass sich keiner die Blöße geben will, bei Olympia durch einen Dopingfall aufzufallen.
„Vor jedem Spiel eine Voltaren“
Andreas Erm war „total am Ende“. Mehr als dreieinhalb Stunden hatte sich der Geher auf den Straßen von Paris gequält, im Ziel bejubelte er erschöpft die Bronzemedaille bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2003. Mehrfach hatte der Leichtathlet während seines Laufes nach Schmerzmitteln gerufen. Später erklärte Erm, dass er ohne die Medikamente niemals den Wettkampf hätte beenden können. Ein „couragiertes Rennen“ nannte es die ARD.
Diclofenac, Aspirin, Ibuprofen, Paracetamol – in vielen Sportarten greifen Athleten auf Tabletten zurück. „Aus umfangreichen Datensätzen geht hervor, dass in Stichproben einhundert Prozent der Sportler beim Gewichtheben oder in der Leichtathletik Schmerzmittel genommen haben“, erklärte Professor Mario Thevis gegenüber diesem Medium. „Es ist an der Zeit, dass Thema kritisch zu hinterfragen.“ Der Sprecher des Zentrums für präventive Dopingforschung der Deutschen Sporthochschule Köln bezeichnet den Gebrauch dieser Substanzen als „alarmierend hoch“.
Schmerzmittel werden zum täglichen Lebensinhalt von Sportlern
Als Jermaine Jones noch bei Eintracht Frankfurt spielte, plagten den Mittelfeldspieler vor knapp drei Jahren starke Schmerzen. Ein Haarriss im rechen Schienbein, es folgten Entzündungen. Der heutige Schalker tat das, was von vielen Trainern, Fans und Medien heroisiert wird: Er ignorierte die Warnsignale seines Körpers und schleppte sich durch die Saison. Später erklärte er sein Durchhaltevermögen. Monatelang habe er Schmerztabletten genommen, „vor jedem Training eine und an den Spieltagen zwei. Manchmal auch mehr.“